Thema Generalisierung oder `Mein Hund hört nur zuhause´

Kommt euch das bekannt vor? Euer Hund macht zuhause was ihr sagt – Sitz, Platz, auf seiner Decke liegen, Pfötchen geben … er ist der liebste Hund der Welt!

 

Doch kaum geht ihr aus der Haustür heraus, klappt kein Sitz mehr, oder erst nach der fünften Aufforderung, erst wenn man laut und wütend geworden ist, oder aber er steht sofort wieder auf, statt für kurze Zeit sitzen zu bleiben?

Kein Kommando funktioniert mehr, der Hund scheint alles vergessen zu haben und ist wie ausgewechselt?

 

Dazu kann ich nur sagen – es geht nicht nur dir so, das Problem erleben fast alle Hundebesitzer irgendwann mal. Dafür gibt es einige Erklärungsmodelle.

 

1.)    Der Hund weiß einfach (noch) nicht, was genau man von ihm will.

Das heißt, wenn der Hund noch nicht verstanden hat, was das Kommando Sitz eigentlich bedeutet, dann KANN er das Verhalten auch nicht sicher ausführen. Damit ein Hund ein Kommando wirklich sicher beherrscht, braucht er viele Wiederholungen. Je nach Schwierigkeit des auszuführenden Verhaltens durchaus mehrere Hundert bis Tausend. Vergleichbar ist das, als wenn wir eine neue Sportart oder Bewegung erlernen wollen. Das müssen wir auch sehr oft trainieren, bis der neue Bewegungsablauf sitzt. Oder denkt zB dran wie es war, Autofahren zu lernen. Übung macht den Meister. Das gilt auch für Hunde.

 

2.)    Der Hund ist in der Pupertät.

Wenn der Hund (und auch der Mensch J) in die Pupertät kommt, beginnt das Gehirn, alte neuronale Netzverbindungen aufzulösen und sich neu zu strukturieren. Das heißt, die Leitungen, die dem Hund auf den Reiz des Signals bisher gesagt haben, dass er sich hinsetzen soll, werden gelöst und ggf. sogar gelöscht. Somit KANN der Hund gar nicht wissen, was er soll. Deshalb hört man es sehr oft, dass der Hund nicht mehr „hört“ wenn er in die Pupertät kommt. Weiterhin fangen Pupertiere an, alte Regeln in Frage zu stellen, sich mehr zuzutrauen, sich weiter weg zu wagen. Das Jagdverhalten erwacht, die Sexualhormone sorgen für neue Interessen. Deshalb sollte man etwas Verständnis für seinen jungen Hund haben und sich an seine eigene Pupertät erinnern. Das heißt aber nicht, dass man dieses Verhalten jetzt so hinnimmt und der Hund machen kann, was er will. Im Gegenteil. Der Hund muss muss jetzt „neu“ lernen, was es heißt Sitz zu machen. Das heißt ich bleibe da besonders konsequent dran im Training. Und das Gute ist: Eine solche „neue“ neuronale Verbindung aufzubauen geht schneller als beim allerersten Mal, da es die Verbindung schon mal gab. Wenn man also liebevoll konsequent bleibt, etwas Verständnis aufbringt und einfach weiter sinnvoll trainiert, dann übersteht man auch die stressige Zeit der Pupertät.

 

3.)    Der Hund hat das Verhalten noch nicht generalisiert.

Hunde lernen Kontext- bzw. Umweltbezogen. Das heißt, sie lernen nicht nur die Hilfe und das Verhalten Sitz, sondern auch alle anderen Einflüsse die während des Trainings auf sie einwirken. Bedeutet: Wenn man immer in der Stube trainiert, lernt der Hund das Kommando Sitz IN DER Stube. Geht man dann in die Küche, kann der Hund plötzlich kein Sitz mehr. Er hat die Umgebung „Stube“ mitgelernt. Er kann also im Kontext „Stube“ Sitz, fehlt aber dann diese Umgebung, dann KANN er das Verhalten nicht.

Wir müssen unserem Hund also beibringen, dass es nicht um die Umgebung geht, sondern um das Verhalten an sich. Und das macht man, indem man an vielen unterschiedlichen Orten trainiert. Man beginnt zuhause, wo keine Abenkungsreize vorhanden sind, und geht dann woanders hin, wechselt z.B. den Raum. Dann geht man vor die Tür, in den Garten oder auf eine einsame Wiese. Später dann mal auf einen Parkplatz, usw. Meiner Erfahrung nach braucht ein Hund ca. 3-5 verschiedene Orte, um ein neues Verhalten zu „generalisieren“. Generalisierung heißt, das Verhalten überall zeigen zu können, egal wie die Umgebung ist. Sage ich Sitz, macht der Hund Sitz, egal wo er ist. Das ist Arbeit, kostet Zeit, ist aber die einzige Methode, dass mein Hund auch draußen „funktioniert“ wenn ich ihm ein Kommando gebe.

 

Ihr seht – Hundetraining ist wie fast alles mit viel Arbeit verbunden, wenn es gut werden soll. Je mehr Zeit ich in ein intensives Training investiere, umso weniger Arbeit habe ich in späteren Zeiten. Ich arbeite meine jungen Hunde z.B. im ersten Jahr am intensivsten, da bringe ich ihnen die gesamte Technik bei, die sie später brauchen (also alle Kommandos für den Hundesport und den Alltag). Wenn sie die können, trainiere ich nur noch gezielt an bestimmten Bereichen, um diese zu verbessern und zu perfektionieren. Meine erwachsenen Hunde arbeiten vielleicht 1-2x pro Woche für eine halbe Stunde, und sind damit völlig fein und zufrieden.

Die Welpen- und Junghundzeit ist also sogesehen die anstrengendste Zeit, aber es lohnt sich dran zu bleiben!

 

Auf den Fotos zu sehen: Einmal "verbellen" von Spielzeug in meiner Hand als Technikübung, losgelöst vom Hundeplatz => am Strand.
 
Und das andere zeigt mich im Training mit meinem Jungrüden Ares aus Eis und Feuer auf einem Parkplatz. Er soll ja schließlich später überall arbeiten und "funktionieren", nicht nur auf einem Hundeplatz.
 
Das ist auch der Grund, warum ich in meinen Welpen- und Junghundekursen immer wieder die Trainingsörtlichkeit wechsele, damit die Hunde lernen, dass sie überall hören sollen, nicht nur einmal die Woche auf dem Hundeplatz.
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